Kompakt: Einführung in die systemische Organisationsberatung

Systemische Aufstellung - S. Hofschläger / Pixelio
Systemische Aufstellung - S. Hofschläger / Pixelio
Roswita Königswieser gilt als Pionierin der systemischen Beratung. Zusammen mit ihrem Kollegen gibt sie nun eine kleine, aber feine Einführung in das Thema.

Die systemische Organisationsberatung hat ihre Wurzeln in der Familientherapie. Sie sieht ein Unternehmen - wie eine Familie - als komplexes, soziales System, das in seiner Gesamtheit betrachtet werden muss, um zu Lösungen zu gelangen. Die Zielsetzung einer systematischen Beratung ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. In den Worten der Autoren: In dem zu beratenden Unternehmen (der Organisation oder dem System) sollen langfristige und nachhaltige „Lern- und Erneuerungsprozesse“ angestoßen werden, um das Unternehmen „überlebensfähiger, erfolgreicher und effizienter“ zu machen.

Erläuterung der Vorgehensweise anhand eines Praxisfalls

Gleich zu Beginn des schmalen Bandes schildern die Autoren einen Fall aus ihrer Praxis. Nach Beschreibung des Praxisfalls, geben die Autoren einen kurzen, aber trotzdem nicht oberflächlichen Überblick über die wichtigsten Begriffe und Ansätze der systemischen Beratung, sowie der wissenschaftlichen Theorien, die das systemischen Verständnis der Autoren geprägt haben. Sie schließen das Kapitel ab mit den wichtigsten Prinzipien der systemischen Beratung. So hat der Leser eine Checkliste, anhand derer entweder sein eigenes Vorgehen als Berater oder das Auftreten externer Berater in seinem Unternehmen überprüfen kann.

Anschließend erläutern die Autoren einige dieser Grundsätze wie z.B. die „systemische Schleife“ ausführlicher. In jedem Beratungsprozess gibt es eine Reihe von Schritte die immer wieder durchlaufen werden, um zu einem besseren Verstehen der Situation zu gelangen. Ein wesentliches Element dieser „systemischen Schleife“ ist die Reflexion, das „über einen Gedanken nachdenken“. Die Autoren umschreiben die Reflexion als Betrachten eines Gedankens aus der Distanz. Nur so vermeiden wir, so die Autoren, uns in den eigenen „Gedankengängen, Denkmustern und Schablonen“ zu verheddern.

Drei Ebenen der Intervention: Architektur, Design und Werkzeuge

Der entscheidende Unterschied der systemischen gegenüber der konventionellen Organisationsberatung besteht in der Art und Weise des angestoßenen Lernprozesses. Bei der systemischen Beratung steht soziales Lernen, ein Lernen über das Lernen bzw. die Entwicklungsfähigkeit der Organisation im Mittelpunkt (Stichwort: Hilfe zur Selbsthilfe), bei der konventionellen Herangehensweise das schulische Lernen und das Vermitteln von Fachwissen. Drei Ebenen der Intervention oder des Eingreifens stehen dem systemischen Berater zur Verfügung, um diesen Lern- und Entwicklungsprozess in Gang zu setzen: die Architekturen, das heißt der große Rahmen des Beratungsprozesses, das Design oder die Ausgestaltung der Vorgehensweise im Detail und schließlich die spezifischen Werkzeuge.

Jede der drei Interventionsebenen entfaltet sich entlang der fünf Dimensionen sachlich (Ziel der Beratung), sozial (handelnde Personen), zeitlich, räumlich und symbolisch. Die symbolische Dimension kommt in klassischen Beratungsansätzen häufig zu kurz. Dabei sprechen Symbole oder Rituale die Menschen in der Regel auf eine ganz andere, „unter die Haut“ gehende Art und Weise an als rationale Erklärungen. Und sie sind weitaus verbreiteter als man vielleicht annehmen möchte. Man denke an Sitzordnungen, Schreibtischgrößen, Begrüßungsrituale und vieles mehr.

Umfassendes Methodenkompendium

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen geben die Autoren eine umfassende Übersicht über geeignete Methoden je Interventionsebene. So skizzieren sie z.B. was ein Rückspiegelungsworkshop ist oder wozu ein Sounding Board gut ist (Interventionsebene Architektur). Natürlich können in dem zur Verfügung stehenden Platz diese Methoden nur angerissen und nicht erschöpfend erläutert werden. Aber es reicht aus, um gezielt weiter suchen zu können. Ergänzt wird das Ganze durch Beispielzeitpläne, die dem Leser weitere Hilfestellung geben.

Unter dem Stichwort Designbeispiele listen die Autoren kurze Steckbriefe von möglichen Vorgehensweisen. Für jedes der elf Beispiele wird die Zielsetzung und der optimale Anwendungsbereich (Teilnehmerzahl, Zeitdauer), die Wirkungsweise, weitere Anwendungsfelder und Kommentare sowie das Vorgehen aufgeführt. Ähnlich gehen die Autoren bei den Werkzeugen vor. Schließlich erläutern sie die Grundtechniken des Fragens anhand von Leitfäden und Beispielfragen und zeigen die Unterschiede zwischen verschiedenen Fragetechniken auf (z.B. offene und zirkuläre Fragen). Das Buch schließt ab mit einem Kapitel über schwierige Situationen und einem Ausblick in die Zukunft der systemischen Organisationsberatung.

Schnell, aber gründlich informiert

Es ist erstaunlich wie viel gehaltvolle Information die Autoren in dem schmalen Band unterbrachten. Man hat an keiner Stelle das Gefühl, mit Beraterjargon abgespeist zu werden. Kompakter und gleichzeitig praxisnaher kann eine Einführung nicht sein.

Königswieser, Roswita und Hillebrand, Martin: Einführung in die systemische Organisationsberatung. Carl-Auer-Systeme Verlag, Fünfte Auflage 2009, 128 Seiten. ISBN 978-3-89670-667-6. Euro 12,95.

Bildnachweis: © S. Hofschläger / Pixelio.de

Zara Bronsky - Kommunikationsberaterin, Moderatorin, Autorin In meiner Freizeit schreibe ich Kurzgeschichten. Einige davon gibt es auf im ava-magazin ...

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